Sich leer zu fühlen ohne inneren Bezug oder spontane Regungen, ist ein Symptom mit dem der Mensch mitunter konfrontiert ist. Obwohl sich viele ernsthaft damit auseinandersetzen und viel Zeit, Geld und Energie investieren, gelingt es wenigen, ein erfülltes Dasein zu genießen. Erfüllung ist eines der Ziele des Lebens. Weshalb bleibt dies einem Großteil der Bevölkerung vorenthalten? Eine allgemeingültige Antwort wird sich auf diese Frage schwerlich finden lassen. Das Individuum erlebt Leere oder Erfüllung ganz eigen, auch deswegen gibt es kein pauschales Rezept für den individuellen Weg zur Erfüllung. Ich beschäftige mich daher mit der Frage, welche Haltung des Menschen allgemein dazu beiträgt und welche Umstände allgemein hilfreich sind, die innere Leere zu überwinden?
Glückseeligkeit ist die wichtigste Qualität unserer Seele. Bewusstsein und Existenz sind dem untergeordnet. Ohne Möglichkeit zur Ekstase sind Existenz wie auch Bewusstsein unvollständig. Ekstase ist die Hauptfunktion unserer Existenz und das Triebmittel unserer Entwicklung. Ekstase ist der Gipfel des Genussvermögens und das Ziel jedweder Anstrengung. In ihrem Erleben überwinden wir die Getrenntheit von Körper und Geist, von Innen und Außen, den Menschen, der Welt und Gott.
Das Gefühl der Zugehörigkeit,Verbindung und Beziehung sind Basis des Erfülltseins. Eine isolierte Existenz führt zu engerer Selbstbezogenheit und einer Tendenz erweiterter Selbstbefriedigung. Aus beiden kann sich das ekstatische Erleben nicht vollständig ausbilden, da der andere ausgeschlossen ist. So bleibt die eigene Freude nur auf sich selbst bezogen, also ohne Resonanz. Es kommt zu keiner Erwiderung, keiner Reaktion und die Erfahrung des Getrennt sein bleibt maßgeblich.
Dies ist eine Art Anomalie des auf Erfüllung ausgerichteten Lebens. In der höheren Natur gibt dafür keine Entsprechung. Steine, Berge, niedere Tiere und Planeten mögen vielleicht eine solche isolierte Lebensart vorziehen. Doch können wir beobachten das Gemeinschaftsleben in einem ansteigendem Bewusstsein stets angestrebt wird. Bei der Betrachtung der Fertigkeiten und Fähigkeiten des Menschen können wir feststellen, wie hoch der Stellenwert der Kommunikation ist. Die Sinne haben immer die Doppelfunktion. Die Umwelt erfahrbar zu machen und die Umwelt zu prägen. In dieser Wechselwirkung zwischen innen und außen erfährt sich der Mensch.
Losgelöst oder unabhängig von allem und jeden zu sein ist künstlich, ein rein geistiges Konstrukt. Die moderne Form versucht durch technischen Fortschritt Einsamkeit und Getrennt sein angenehm zu machen. Mit der Methode den Menschen sich als Konsumenten oder menschliches Tier identifizieren zu lassen, der sich ausschließlich dem eigenen Genuss zu wendet. Der jedoch von den Dingen und Personen abhängig ist, die er versucht zu genießen. Der Mensch wird Opfer des auf Außen gerichteten Begehren in seinen vielfältigen Formen. Und das ist es, was ihn von sich selbst trennt und nicht zu stillen ist. Dies erzeugt dauerhaft Hunger, Verlangen und Leere.
In diesem Kontext wird der Mitmensch unser Rivale oder Diener unserer Wünsche und nicht das Ziel unserer Widmung. Er/sie kann dann nicht mehr das Gegenüber sein, was wir für unsere Erfüllung brauchen. Erfüllung entsteht aus Widmung. Um sich widmen zu können, braucht es den anderen. Unerfüllt sein ist ein Symptom der Verzweiflung. Die Lust, die nur als Ersatz für Erfüllung und Ekstase rangiert, wird sich nicht durch ein paar hübsche Bilder und immer wiedermal paar neue Schuhen besänftigen lassen.
Ein Krieg bricht in unserem Inneren aus. Der Kampf um Vorherrschaft zwischen dem höheren und dem niederen Selbst wütet. Das Verlangen nach Erfüllung unserer unendlichen Wünsche schafft immer wieder neuen Konfliktstoff. Die Grenzen eigenen Vermögens und äußerer Begrenztheit zwingen zu vernunftmäßiger Akzeptanz, die aber die Lust weder stillt und noch zähmt. Ein unwürdiger Kompromiss scheint nur möglich, bei dem das Verlangen sich als stille Herrscherin in ein unauffälliges Gewand kleidet und im Unterbewusstsein das Sehnen und Erleben schmerzlich färbt.
Allgemein löst der Modus der Funktionalität, gestützt durch den Gedanken sich mit der Bedingtheit und den Bedingungen abfinden zu müssen, optimistisches und spontanes Handeln ab. Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Unlust sind Wirkungen des faulen Kompromisses und Vorstufen der Depression. Die Sehnsucht nach Ekstase, nach echter Begeisterung wird nicht gestillt, sondern nur auf Kompensationsebenen verlagert. Das Verlangen nach Dingen, die die Lust stillt, unsere eigentliche Sehnsucht nach Ekstase aber nicht berücksichtigt, wird zum Motor unserer Suche und gleichzeitig die Basis von Pessimismus und Lethargie.
Kriege und Krisen sind effiziente Ablenkungen und Verlagerungen für das unerfüllte Verlangen. So haben wir uns eine Realität geschaffen, in der wir dem Gegenüber das abtrotzen, was wir für angenehm halten und der eigentlichen Freude in Form von Widmung wenig Zeit schenken.
Dauerhaft können wir nicht ohne Folgen in einer solch freudlosen Welt sein, die den Genuss zur Kriegsbeute erklärt und wir uns am Ende nur selbst ausbeuten. So scheint die Welt uns feindlich gesinnt, nicht bereit uns freiwillig das zu geben, was wir dringend beanspruchen. Deshalb versuchen wir durch Selbstbefriedigung und Ersatz, die Abhängigkeit von anderen auf ein Maß des Erträglichen zu schrauben. Auf uns selbst gestellt, mit dieser fremdem Macht im Inneren und der Flut an Wünschen konfrontiert, schwinden die Aussichten auf Frieden.
Das Gegenüber, der geliebte Mensch, die geliebte Familie, die geliebte Heimat, die geliebte Erde sind durch nichts zu ersetzen. Doch sind sie Ersatz für die Beziehung mit Gott. In dieser Beziehung erreicht die Ekstase ihren Höhenpunkt. In allen anderen nimmt sie in dem Maße ab, wie Gott vergessen wird. In zwischenmenschlichen, wie auch im gesellschaftlichen Erleben ist die Ekstase eine Wirkung göttlicher Präsenz. Gott ist der eigentliche und natürliche Genießer, der dem Genossenen Ekstase verleiht.
Um die Leere zu überwinden braucht es die Bereitschaft zur Hingabe, die aus Vertrauen erwächst. Nähe ist das Ergebnis. Sich tief berühren, sich fallen zu lassen, ist nur mit Nähe und in einem vertrauenswürdigen Rahmen möglich. Innere und äußere Bedingungen sollten daher angestrebt werden, die von heiliger und verantwortungsvoller Natur sind. Denn durch innere und äußere Sicherheit erhöht sich die Chance in Schwingung zu geraten, den anderen als Genussobjekt aufzugeben, eine tiefe Verbindung mit sich und der Umwelt einzugehen und damit die Grenzen selbstbezogener Erfahrungen zu überschreiten.
Das Individuum erfährt im Kontakt mit dem Äußeren Vollständigkeit. Dies ist die Basis für Erfüllung. Der spontane, freie, natürliche, leichte, angstlose, erfüllte und vertrauende Ausdruck des Lebens ist ein Anzeichen gläubigen Bewusstsein und wohlmeinendes Geschenk des Schöpfers.
Orgasmus ist eine Form der Erfüllung aus Widmung und ein Vorgeschmack unserer orgiastischen Natur, die sich im spirituellen Himmel vollendens ausprägt. Ihn auf ein rein sexuelles Erlebnis zu reduzieren, bedeutet ihn in seiner Bedeutung zu schmälern und damit zu entwundern. Der Orgasmus ist der Gipfel körperlichen Empfindens und die Trance die höchste Erfahrung des Geistes auf der materiellen Ebene und beides sind Geschenke. Nur in einer echten Beziehung mit Gott können sich diese Elemente völlig entfalten. In der spirituellen Welt sind sie permanent, da dort Körper, Geist und Seele nicht von einander getrennt sind. Jede Zivilisation, die auf dem Zusammenhang zwischen Widmung und Erfüllung keinen Bezug nimmt, wird ein Hindernis für das Erleben der Erfüllung.
Die Leere ist ein untrüglicher Beweis für fehlende transzendentale Erfahrungen und möglicher Antrieb für die Suche nach ihnen. Erfüllung ist das Gegenteil der Depression. Der Lohn der Widmung ist ein erfülltes, sinnvolles und tief befriedigendes Dasein.
Fazit
Leere ist ein Anzeichen für das Fehlen von Erfüllung. Erfüllung entsteht durch Zugehörigkeit, Verbindung und Beziehung. Sich einer Sache oder Person zu widmen, die wichtiger ist als man selbst, schenkt einen Wert, Sinn und Bedeutung. Egoistische und Egozentrische Tätigkeiten und Projekte führen in das Gefühl der Sinnlosigkeit. Je mehr sich die Bereitschaft zu teilen, zu fördern oder selbstloser zu sein einstellt und je höher, notwendiger oder reiner das Ideal ist, dem man sich widmet, desto höher ist die Chance auf Erfüllung.
