Religiöse Krise

Viele Menschen befinden sich aus den unterschiedlichsten Gründen in einer spirituellen Praxis, die mit verschiedenen mystischen Traditionen im Kontext steht, aus ihnen hervorgegangen ist oder zur Praxis dieser Glaubensrichtungen gehört. Krisen sind natürlichen Begleiterscheinungen jedweder Entwicklung. Der persönliche Beitrag zur Entstehung, zum Ausmaß und zur Bewältigung dieser Phänomene zeigt die innere Affinität hinsichtlich der Dynamik des Gläubigen oder Wahrheitssuchenden für eine bestimmte Glaubenspraxis und deren Inhalte. Spiegelt doch die erlebte Wirklichkeit die erreichte Verwirklichungsstufe, die inneren Spannungsfelder und die individuelle Bewusstseinsebene wieder.
Religiöse Krisen sind Glaubenskrisen. Das Schlimme was im Zusammenhang mit ihnen passieren kann, ist die Schädigung oder der Verlust des Glaubens. Auch werden mitunter Verirrungen, Halbherzigkeit, Unverantwortlichkeit und falsche Entscheidungen teuer bezahlt oder haben nachteilige Wirkungen auf Leib, Geist und Psyche. Dies wirkt sich auf den Glauben, das Vertrauen und der Bereitschaft dem spirituellen Pfad weiter folgen zu wollen, nachteilig aus.
Zwischen echten Glaubenskrisen und Krisen im Sinn von pathologischen Störungen zu unterscheiden, ist eine Herausforderung für jeden, der damit konfrontiert ist. Selbst, – und fremd schädigendes Verhalten, das mit Verlust von Gesundheit, gesunden Menschenverstand, Verantwortungsbewusstsein, Beziehungsfähigkeit, Offenheit und Kritikbereitschaft einhergeht, sind immer Alarmzeichen und als solche auch zu werten. Doch wird das Ausmaß einer kritischen Entwicklung und seiner Folgen mitunter erst nach einiger Zeit sichtbar.
Für Angehörige, Partner oder Freunde sind das oft schwierige Zeiten, die sie meist passiv oder wartend verbringen müssen. Da Glaubensfreiheit vom Grundgesetz gegeben ist, braucht es die Bereitschaft des Gläubigen selbst seine Entwickelung und seine spirituelle Praxis kritisch zu betrachten. Im Falle von Unmündigen haben die Eltern oder die das Sorgerecht haben mitunter die Not, Entscheidungen für das Kindeswohl auch gegen den Willen des Kindes zu treffen,.
Anderseits erleben wir von Seiten der Psychologie und Psychiatrie eher Vorbehalte oder kategorische Abwertung gegenüber spirituellen Erscheinungen. Pauschal werden spirituelle Phänomene als primitiven Aberglauben, Mangel an Bildung, kindliche Leichtgläubigkeit, Unwissenheit, klinisch – pathologischen Störung abgetan oder gleichgesetzt. Dadurch entstand ein großes Spannungsfeld zwischen den konventionellen Hilfsversuchen und den vermeintlich Hilfesuchenden. Das Misstrauen gegeneinander lässt eine sachliche Lösungssuche kaum zu. Da die freiwillige Bereitschaft und Offenheit von beiden Seiten den Garant für einen Erfolg darstellt, kann er sich in einer misstrauischen Stimmung kaum einstellen.
Auf dem Glaubensmarkt tummelt sich alles Mögliche, was den Anspruch an eine freie und progressive Glaubensentwicklung voll, gut, befriedigend, kaum, unzureichend oder nicht erfüllt. Für den Laien ist es oft schwierig Anhaltspunkte für eine Bewertung zu finden. Der eingeschlagene Weg illustriert meist jedoch deutlich Absichten, Einstellungen, Bedürfnisse, Wünsche oder Traumata des Gläubigen. Für viele ist es eine  Periode des Probierens, der Entwickelung und der Selbsterfahrung.
Für die Umwelt ist es mitunter eine Zerreißprobe zwischen Tradition, etablierter Vorstellung und einem neuen Ansatz. Die Ernsthaftigkeit der Bemühung stellt sich mit der Zeit dort heraus, wo der Gläubige an seine Grenzen des Verständnisses und der Bereitschaft gelangt. Für wenige ist es möglich die, die durch individuelle Vorarbeit und der aus ihr entstandenen Kultur oder vorgegebenen Grenzen unbeschadet zu übertreten.
Gefährliche Richtungen dämonischer und destruktiver Tendenzen heben sich von den allgemein progressiven in so weit ab, da es zu Verstörung, Angst, Gewalt, ökonomischer und emotionaler Abhängigkeit, Unmündigkeit, Isolation, Missbrauch und Entwertung in einem erheblichen und ungesunden Ausmaß kommt. Bestimmte Richtungen sind dafür schon bekannt und entlarvt wurden. Doch schließen die etablierten oder großen Glaubensrichtungen solche Tendenzen auch im Einzelfall oder Gruppenfall nicht gänzlich aus. Der Gläubige selbst trägt die Affinität für eine bestimmte Umwelt mit sich, und ist meist dafür blind oder nicht bereit die Verantwortung zu übernehmen.
Auslöser für Krisen sind:
⁃Verlust, Abgabe oder Absprache des Rechtes oder der Pflicht persönlicher Entscheidung, Einfluss und Verantwortungsübernahme für die Glaubenspraxis und dem Ausmaß ihrer Macht auf das Individuum.
⁃Enttäuschung darüber, das sich das Gewünschte oder Versprochene oder in Aussicht gestellte nicht oder zu langsam einstellt, das Vertrauenspersonen das ihnen gegebene Vertrauen oder ihre Position missbrauchen, das die erlebte Glaubensrealität nicht mit der erhofften und verheißenen übereinstimmt.
⁃Ungleichgewicht zwischen Anspruch und Vermögen, zwischen Realität und Vorstellung,
⁃Unverantwortlichkeit bis hin zu Kriminalität und deren Folgen oder Konsequenzen: der Autoritäten oder Strukturen, Amtsmissbrauch, ökonomische und emotionale Abhängigkeit, Freiheitsentzug, Gewalt, Strenge, unverhältnismäßige Züchtigung, ökonomische oder körperliche Ausbeutung, Fremdbezug, Rivalität, Unrecht, Macht, Stress, Angst, unerfüllbare Anforderungen oder Erwartungen, Manipulation, Entmündigung, Schuldgefühle oder Abwertung.
⁃Falsche oder unehrliche Absicht, in Form von Drang zur Weltflucht, Unverantwortlichkeit in Bezug zu Körper, Familie, Beruf, Gesellschaft, gesellschaftlichen und sozialen Pflichten, Schulden, Schuld, Wiedergutmachung, Gesetzen, Anforderungen oder Selbsterhöhung, Ausbeutung, Entsagung oder Rache.
⁃Der falsche Weg, der aus Unwissenheit, falscher Motivation, Heilsversprechung, Druck oder Zwang, Verirrung, Manipulation, Mode, wegen Drogen  oder zum persönlichen Vorteil eingeschlagen wurde.
⁃Psychische Störungen oder Angst, die einen zwingen dieses oder jenes zu tun oder zu lassen, die einen zu Abhängigkeit und Entmündigung treiben, die einen Fremdbezug provozieren, die einen aus  Wahn, Hysterie oder Psychose handeln und folgen lassen oder dazu bewegen eine Scheinwelt zu erschaffen, die einen Ausweg aus Krankheitskarriere, Chronifizierung und medizinische Gewalt oder Entmündigung auf spiritueller Ebene anstreben.
⁃Passivität, Unmündigkeit oder Selbstaufgabe wegen persönlichem Unvermögen, charismatischen Autoritäten, Verunsicherung und Absprache der Grundrechte wie Eigenverantwortung, Selbstentfaltung, Wahrnehmung, Kritik, Eigentum und Mitbestimmung, Nichtnachvollziehbarkeit der Lehre, Absprache des Wertes der eigenen Meinung, Wahrnehmung und Denkens, Behinderung von Entscheidungen, Realisation, Reflexion und kritischem Austausch.
⁃Nicht erfüllbare Forderungen, Wünsche oder Begehren, nach unverdienten Ruhm, Macht, Reichtum, Einfluss, Gesundheit, Lebenszeit, Position oder Mystik, Leid Freiheit, Schulderlass, Gerechtigkeit, Partnerschaft, Nachkommenschaft, Ehre, Schutz, Besserstellung.
⁃Wiederholung und deren Konsequenzen unglücklicher, ungesegneter oder schwacher Versuche aus den Vorleben, alte Schuld, Schulden oder Vergehen führen zu Disqualifizierung oder Hindernissen
⁃Unzufriedenheit oder Frustration über fehlende oder unzureichende Antworten auf Fragen bezüglich des Inhalts und der Spezifika der Lehre, der Bedeutung der Regulierung und Enthaltsamkeit, Sinn der Strukturen oder Hierarchie, Autoritäten und deren Sonderstellung, persönliche Belange was Zukunftsaussichten, Ausbildung, Familiengründung, Zölibat, Gesundheit, Ökonomie, Entsagung, Beziehung, Stellung in der Gesellschaft, Berufung oder Selbstentfaltung betrifft.
Das sind einige Gründe für Glaubenskrisen, die sich im individuellen Erscheinungsbild in einer großen Vielfalt auffächern. Problematiken, die sich aus fehlender Einsicht, Verständnis und Wissen ergeben und den Weg des Gläubigen markieren, sind obwohl Auslöser von Krisen progressiv einzuschätzen, solange sie der Läuterung des Bewusstsein dienen.
Im Falle von unglücklichen Umständen, persönlicher Unreinheit, Unreife und fehlenden transzendentalen Erfahrungen kann es oder besser muss es zu Krisen in einer spirituellen Praxis kommen. Die Wahl der Form in welche man seine Bemühung um Erleuchtung, inneren Frieden, Gottesliebe oder Glückseligkeit kleidet, spielt dabei eine sekundäre Rolle. Primär sind die Absicht und die inneren Verhältnisse.
Natürlich sind auch äußere Umstände mitbeteiligt, doch werden sie durch die inneren Komponenten aufgerufen und stehen mit ihnen im Zusammenhang. Sich einer höheren Ebene zu zuwenden ist immer etwas positives, egal aus welchem Anlass. Die Motivation sollte jedoch klar einen Erfolg, im Sinne der Stärkung und Festigung des Glaubens, anstreben oder meinen. Sonst findet der mögliche Argwohn Bestätigung.
Die spirituelle Krise, die sich manchmal in eine depressive Episode kleidet, ist nicht das Ende spirituellen Praxis. Sondern mitunter ein besonderer Segen, der dazu führen kann, die Bemühungen zu intensivieren oder die Absichten zu korrigieren. Therapeutisch auf diese Situation einzugehen bedeutet, den hohen idealistischen Gehalt und die möglichen Segnungen zu bedenken, bevor man sie mit herkömmlichen, alopatischen und Mitteln der Psychopharmaka versucht zu beeinflussen. Spirituelle Autoritäten im allgemeinen und im besonderen die spirituelle Autorität mit der der Leidene in Beziehung steht, sollte für die Diagnose und die Erarbeitung eines Hilfeplans herangezogen werden.
Jede Krise ist individuell und braucht Herangehensweisen, die dem Rechnung trägt. Den Menschen nur wieder in seine Leistungs,- und Pflichtbereitschaft zu führen, ohne durch die Autoritäten dazu eingeladen, führt meist in ein Verdrängen der Problematik schlimmsten Fall in seine Chronifizierung. Ob es sich um eine reine spirituelle Krise überhaupt handelt, kann nur von den spirituellen Autoritäten eingesehen werden. Nach eingehender, sachlicher Prüfung der Bedeutung für die Person und dem Inhalt ihrer Bemühungen, ist in der Behandlung von Menschen mit spirituellen Hintergrund generell ihre spirituelle Ausrichtung zu berücksichtigen und im Falle eines ernsthaften Gottessuchenden an die Autoritäten weiterzuleiten oder eine Zusammenarbeit anzustreben.
Im Falle aber von selbst gefährdenden oder fremd gefährdenden Anzeichen können wir nicht von einer spirituellen Krise im eigentlichen Sinne sprechen. Also von einer die durch Segen und Bemühung grundsätzlich progressiv eingeschätzt werden kann und sich auch als eine solche erweist. Hier ist dann die gesetzliche Pflicht von Schutz und Erhalt des Lebens vorrangig bindend und sollte auch den Ort, an dem der Leidene verbleibt, unter diesen Anspruch stellen.
Die schwere depressive Stimmung, die im Selbstmordattentäter oder Selbstverstümmler vorliegt, ist ein deutliches und gravierendes Anzeichen von materieller Identifikation und Auffassung, und keineswegs und zu keinem Anlass zu rechtfertigen, noch gut zu heißen. Es zeugt von einem mangelndem spirituellen Verständnis, das alles Leben als erhaltenswert, förderungswürdig und liebenswert ansieht. In einem solchen Falle können wir von einer depressiven Episode sprechen, die sich einen religiösen Anschein gibt oder hinter diesem sich zu verbergen sucht. Den Leidenen vor sich selbst und dem destruktiven Einfluss zu bewahren ist dann solange
Priorität bis eine Stabilität erreicht wurde, die den Einfluss des gesunden Menschenverstandes wieder sichert.
Die unterschiedlichste Ausprägung von spirituellen Angeboten, Heilswegen, Selbsterkenntnisvorgängen und deren persönliche Handhabe sind kaum sicher nach Gültigkeit, Berechtigung oder Funktionalität einzuschätzen. Und in der Glaubensfreiheit wurde auch dem der Raum gewährt, dies ohne Beschränkungen auszuleben. Jeder darf glauben was er will. Eine freiwillige Entscheidung für eine Behandlung oder der Schutz von Leib und Leben sichern eine Hilfsleistung oder sind zwingend.
Jede echte und beständige Bewusstseinserweiterung ist harte Arbeit und ein besonderer Gnadenakt. Ohne Segen von oben kann der unendliche materielle Horizont nicht überschritten werden. Weltliche Erfahrungen und Erkenntnisse sind flüchtig, enttäuschend und unbeständig, denn sie entstammen allesamt der Welt von Zeit und Raum. Die sichere Einbettung in eine liebevolle, verantwortungsvolle und kundige Führung und in einem gesicherten spirituellen Ansatz oder einer spirituellen Lehre dagegen können dem Wahrheitssucher weit bringen.
Die Gefahren auf dem spirituellen Pfad entspringen allesamt dem eigenen mangelnden Verständnis, der Mentalität der Ausbeutung oder Entsagung und der unreinen und schwachen Natur egozentrierter Identifikation. Dabei übernimmt die Umwelt die Rolle des Spiegels oder der Resonanzfläche. Sie bringt nur das zum Ausdruck, was sich während der vielen Verkörperungen und als Reaktion auf die verschiedenen Handlungen angesammelt hat.
Die innere Ausgangsbasis für die spirituelle Praxis sollte Freiwilligkeit, Wertschätzung, Wahrhaftigkeit und Hochachtung sein und zeigt sich in Demut, Zuversicht, Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Geduld. Im Kontakt mit der transzendentalen Ebene wird all das zum Vorschein kommen, was wir in unserem Inneren tragen, sei es Wünsche, Vorstellungen, Erfahrungen, Gefühle, Erinnerungen, Absichten, Haltungen, Einstellungen, Glaubenssätze oder Motive. Die vordergründige Absicht des Höheren ist immer das Bewusstsein des Wahrheitssuchenden zu läutern.
Gott ist immer gut und weise. Seine Form der Beziehung zu seinen Geschöpfen gründet in Seiner Liebe und ist transzendental zu den Bedingungen und Erscheinungen des materiellen Daseins. Der Grund für das Leiden ist nicht Er, sondern eine Wirkung der freiwilligen Abwendung oder Absonderung von Ihm. Die von Ihm gegebene Freiheit kann auch dazu benutzen werden, getrennt von ihm zu existieren und sich dem eigenen Genuss zu zuwenden. Diese Möglichkeit ist gegeben.
Die Schöpfung ist von und für den Schöpfer geschaffen. Jede Handlungsweise, die dem nicht Rechnung trägt, zieht schmerzliche Reaktionen nach sich. Spirituelle Praktiken sollten zu diesem Verständnis führen und ihm dienen, um die Läuterung des Bewusstseins zu fördern oder zu unterstützen. Wenn sich aber in dem Glauben noch bedingte, niedere und materielle Auffassungen halten, versperren diese die eigentliche notwendige Läuterung und das reale Erfahren von positivem Wandel in Form von Erkenntnis, Loslösung und Barmherzigkeit. An diesen Auffassungen festzuhalten, aus der Überzeugung ohne sie nicht sein zu können, schafft eine Spannung, die zur Krise führt. Sie kann sich nur erlösen, wenn es zu einem Überwinden von all dem kommt, was einen noch an diesen schmerzlichen Umstand bindet.
Eine Ausgangslage ohne Vertrauen in das Höhere wird früher oder später Krisen zeitigen. Das Vertrauen ist die Basis aller Bemühungen um Erkenntnis, Glauben und Wahrheit. Und dieses wird geschenkt. Also ganz am Anfang ist der Wahrheitssucher schon vom Höheren abhängig und das wird sich auch nicht ändern. Er/sie bleibt vom Höchsten abhängig und ist voll für sich verantwortlich.
Aus dem Vertrauen erwächst Zuversicht, Offenheit, Begeisterung und Mut. Fehlt aber eine solche Basis, wird der Verstand dazu missbraucht Beweise für den Glauben zu finden und den Prozess zu kontrollieren. Der Verstand wiederum hat nur Zugriff auf die Dinge die er kennt, sich vorstellen oder die er einordnen kann. Damit ist er für eine Erfahrung außerhalb seiner Parameter untauglich. Er wird den Vorgang der Glaubensentwicklung stören müssen, weil er dem Neuen nicht aufgeschlossen gegenüber sein kann, solange er nach Beweisen suchen und die Kontrolle behalten soll.
Der Versuch künstlich durch Drogen, Suggestion und Manipulation das Vertrauen zu ersetzen oder umgehen zu wollen, stellt eine ernstliche Gefahr für den Praktizierenden und seinen Nachfolgern dar. Materielle Mittel, seien sie so gut gemeint, genial oder wissenschaftlich fundamentiert, haben auf die Vertrauensbildung kaum Einfluss. Höhere Einsichten sind immer läuternd, das ist der Zweck ihrer Offenbarung. Und das bedeutet das sie schmerzhaft bis hin zu verstörend sein können, weil sie einen mit einem höherem Grad an Einsichten und Verständnis konfrontieren.
Auf dem Pfad zurück zu Gott wird sich vieles ändern und ändern müssen. Der gesamte mentale, emotionale, soziale und psychologische Bereich wird sich den neuen Verständnissen, Einsichten und Erkenntnissen anpassen müssen, um nicht die Entwicklung zu stören. Dinge, die einen lieb und kostbar waren, werden nicht mehr zu einem passen und durch andere ausgetauscht, die jetzt mehr dem entsprechen was man erreicht hat. Loslösung und Verständnis wird natürlich einsetzen, wie auch der Wandel des Geschmackes, der Angewohnheiten und Vorlieben. Ohne Vertrauen wird der Prozess sich nicht durchsetzen können, sondern immer dann erlahmen oder zum Stillstand kommen, wenn er Konsequenzen verlangt.
Eine Lehre die nicht rein wird auch das Herz nicht reinigen. Und wenn man in Kontakt mit einer solchen gekommen ist und ihr folgt, so sind es vor allem die eigene inneren Verhältnisse, die sich hier zeigen. Gleich zu gleich gesellt sich gern. Ein Verlagern der Verantwortlichkeit nach außen, führt von dem eigentliche weg, der verändert, dem geholfen werden sollte und der die Entscheidung über den weiteren Weg fällt. Ist dem Gläubigen die gewohnte Umgebung zu eng oder untauglich zur Weiterentwicklung geworden, sollte er sie aus ihrer Rolle des Spannungsgebers entlassen und frohen Mutes seinem Herzen folgen. Eine Krise ist ein deutliches Zeichen eigener Unvollkommenheit und Unreinheit, deren Überwindung ein Teil der spirituellen Praxis für den Moment dient.
Der Wahrheit ins Gesicht schauen zu müssen, führt ungeschützt meist in eine Krise. Das wir wieder und wieder mit dem gleichen Missstand konfrontiert sind, kann sich natürlich in einem Gefühl der Stagnation, auch in der Angst es nie zu schaffen, nie vorwärts zu kommen, entladen. Ein Versager zu bleiben. Die an einen Leistungsanspruch gebundene Vorstellung von Entwicklung, hebt die eigene Bemühung und das von einem erbrachte und das zu belohnende Ergebnis hervor.
Das Scheitern, wie auch das Verzögern oder Steckenbleiben, lösen negative Empfindungen aus, die sich auf den Selbstwert und die Gewissheit der Gnade legen und so den Fortschritt behindern können, weil wir ihn nicht zu verdienen scheinen oder er uns vorenthalten wird. Jede erfolgreiche Entwicklung hin zu Gott ist ein Gnadenakt, der von oben nach unten hin passiert. Dabei reagiert Gott auf die von der Seele gewonnene Begierde Ihn zu erreichen.
Geduld, Gelassenheit und Gleichmut sind große Stützen der Entwicklung sowohl für den Gläubigen selbst, als auch für seine Umwelt. Das Vertrauen worauf eine Glaubenspraxis basiert ist eine schwer  durchschaubare Sache, die weder mit Logik noch mit Menschenverstand nachvollziehbar ist. Es ist eine höchst intime Regung. Auskunft darüber kann meist der Gläubige kaum geben. Für ihn ist es einfach eine Realität. Glaubhafte und ernsthafte Autoritäten sind dazu mehr in der Lage, auch weil sie Wörter für das Unaussprechliche gefunden haben oder Bezüge herstellen können, die ein Verständnis erleichtern.
Schlechte Gemeinschaft mit denen die an unserer Entwicklung keine Herzensfreude finden, die anderen Zielen folgen oder ihren Entwicklungsstand für vollkommen halten, ist immer ein großes Hindernis für spie-rituellen Fortschritt. Schlechte Gemeinschaft zieht einen runter oder hält einen dort wo man war, den Zustand den man verlassen wollte. Unsere Angewohnheiten, Vorlieben, Vorstellungen und Einstellungen machen deutlich in welchem Bewusstsein wir leben und wenn diese mit der eigenen Auffassung, dem eigenen Ideal nicht übereinstimmt ist es eine heilsame Notwendigkeit sich von ihnen zu distanzieren. Wenn es nicht dazu kommt und man sich zu stark verpflichtet fühlt, gebunden und verantwortlich, ist das kein Grund zum verzweifeln, sondern ihn mit Gebet um Hilfe zu begegnen.
Grausamkeit gegen sich selbst oder gegen andere ist auch ein Hindernis für spirituellen Fortschritt, aus dem heraus sich Krisen entwickeln können. Ohne Toleranz und Sanftmut wird es schwer die ersten Schritte auf dem spirituellen Pfade vorwärts zu kommen. Gewalt in jeder Form bewirkt eine Spannung, die einen von der Barmherzigkeit und der Gnade ausschließt. Fanatismus ist eine lustvolle Begleiterscheinung des Anfängers. Und für den Moment auch berechtigt, weil er einem verhilft die ersten notwendigen Konsequenzen und Abgrenzungen einzugehen. Später sollte diese Lust sich in Mitgefühl und Ernsthaftigkeit transformieren.
Die Idee durch äußere Aktivitäten inneren Wandel herbeizurufen, stammt aus der Welt der Leistung und der Formen. Dort hatte sie ihre Berechtigung. Doch in der Welt der Widmung und Gnade wird sie zu einem Hindernis, denn sie hält das Bewusstsein auf Körper und Geist gelenkt. Auch macht es einen auch vom messbaren Ergebnis abhängig. Höhere Dinge zu verwirklichen ist das Produkt einer inneren Entwicklung und göttlicher Gnade. Die eigene Bereitschaft und höhere Gnade zusammen schaffen Verwirklichung.
Grausamkeit, Gleichgültigkeit, Ignoranz und Fanatismus sind Anzeichen materiellen Bewusstseins und ein auf materielle Dinge abzielendes Streben. Dabei ist die Grausamkeit gegenüber sich selbst, eine die sich auch im Außen auswirkt, zum Beispiel in Form von einer über kritischen, rivalisierenden oder unbarmherzigen Umwelt. Sich nicht verzeihen, nicht annehmen, nicht mit sich geduldig sein oder nicht an sich glauben zu können, sind die Basis für eine negative Einstellung und Haltung gegenüber dem, was einen begegnen wird.
Offene und herzliche Beziehungen zu Heiligen ist die beste Medizin für den spirituellen Fortschritt. In ihrer Gemeinschaft lernt man die neue Art zu leben, zu handeln, sich und die Welt zu verstehen und sich dem Ideal hinzugeben. Alte und unbrauchbar gewordene Einstellungen, Gewohnheiten und Vorstellungen werden durch neue lebendige und kraftvolle ersetzt.
Der Kern der Krise bezieht sich auf das Unvermögen sich dem Wandeln vertrauensvoll zu öffnen und der Praxis den rechten Stellenwert einräumen zu können. Dabei ist es wichtig zu verstehen, das es nicht der eigene Verstand oder die Intelligenz ist die einen helfen transzendentaler Dinge zu verstehen oder auch nur sie zu ahnen. In der Welt des Messbaren haben wir uns daran gewöhnt für alles Beweise erbringen zu müssen oder Beweise als Ausgangspunkt der Betrachtung zu machen. Dies führt in die Überheblichkeit und den Stolz rationalen Denkens, das sich im Atheismus am stärksten ausdrückt.
Er ist es auch, der die natürliche Entwicklung hin sich dem Liebessubjekt hinzugeben, verhindert. Schlimmer aber noch ist die Verneinung der Persönlichkeit Gottes vieler Unpersönlichkeitsschulen, da sie sich den Anstrich spiritueller oder religiöser Pfade geben. Für den Unbedachten und Einfachen sind das ernstzunehmende Gefahren. Dem Unschuldigen und Aufrichtigen werden sie nur zu Prüfungen, wohin den anderen eine komplizierte,  zeitintensive, spirituelle Praxis für dieses Leben droht.
Ein anderer Grund für eine Krise ist das Festhalten an Vorstellungen und Identifikationen, die zwar in der Vergangenheit hilfreich und richtig waren. Nun aber die Weiterentwicklung erschweren oder gar verhindern. Wenn wir allzu sehr an dem haften, was uns vertraut, lieb und teuer ist, dann werden wir Schwierigkeiten haben uns für den Wandel, der aus einem geläuterten Bewusstsein stammt, zu öffnen. Was sich dann in der Praxis in Spannungen oder Druck äußert.
Daraus entstehen Ängste, Zwänge, Zweifel, Misstrauen und letztlich eine Vergehens Haltung, die in der Konsequenz dazu führen wird, das man den Pfad aufgibt und zu dem zurückkehrt was man verlassen wollte. Grundlage für diese Krise ist das Unvermögen sich dem unvermeidbaren Wandel vertrauensvoll hinzugeben. Die spirituelle Entwicklung ist ein dynamischer Prozess, in dem alle stagnierenden und festen Vorstellungen und Glaubenssätze durch freie und beweglichere ersetzt werden.
Alles was der materiellen Auffassung angehört oder sie ausmacht oder bestimmt wird der Gläubige hinter sich lassen müssen, um die ewige Welt außerhalb von Raum und Zeit betreten zu können. Deshalb ist es eine notwendige Begleiterscheinung des spirituellen Pfades den Wahrheitssucher von dem Ballast nach und nach zu befreien und ihn somit immer mehr frei zu machen für transzendentale Erfahrungen. Ohne dem ein Festhalten und Befolgen der spiritueller Unterweisungen und Regeln ihre Bedeutung verliert.
Das unfassbare, unmessbare, unsichtbare und unausdenkliche Absolute ist das Ziel der Anstrengung des Gottessuchenden und die Sehnsucht seines Herzen. Jede Anhaftung an Postion, Pflicht, Verantwortung, Rang, an geistigen und körperlichen Vorzüge oder Nachteile, an Vorstellungen, Gedanken oder Einsichten, an Stimmungen, Vorlieben oder Gewohnheiten, an Verhaltensregeln, Kodexe oder Maxime, die sich auf Materie beziehen, lässt die unsterbliche Seele in der sterblichen, bedingten und begrenzten Welt ankern. Die Bewegungen, die ihr dann nur möglich sind, kreisen um diesen Anker.
Gottes Segen bewirkt das es zu einer Läuterung des Bewusstseins kommt und damit zu Veränderungen und zum Wandel. Diesem sich zu widersetzen oder es zu ignorieren bedeutet, den Herrn um Hilfe anzurufen, um Ihn später nicht weiter zu beachten. Dadurch verlieren wir das anfängliche Vertrauen und die gleichen Dinge, die vorher spirituellen Fortschritt nach sich zogen, wenden sich nun gegen den Wunsch mit Gott in Beziehung zu treten.
Spirituelle Krisen sind sehr selten und weisen auf ein außergewöhnliches starkes Streben und eine große Gnade hin. Die anderen aber sind Erscheinungen eines gestörten materiellen Gemütes oder des Versuches sich zu erhöhen oder  höheren Eigengenuss zu erlangen. Diese brauchen die Heilkunst pragmatischer Ansätze.
Fazit: Spirituelle Krisen in konstruktiven Sinne sind die Ausnahme auf dem Wege zu höherer Erkenntnis und Verwirklichung. Im allgemeinen zeichnen Krisen kritische Felder mit denen der Gläubige oder Wahrheitssuchende konfrontiert wird. Sie weisen auf Unreife oder die falsche Glaubensrichtung oder eine Spannung zwischen Anspruch und Vermögen hin. Durch sie entstehen Gelegenheiten zur Korrektur oder Bewusstwerdung. Krisen sind ernstzunehmend. Destruktive Vorstellungen und Ansätze sollten durch vertrauenswürdige Autoritäten geahndet und mit positiven und konstruktiven ersetzt werden. Zwischen Wahn, Epilepsie oder Halluzinationen und Ekstase, Erleuchtung oder Hellsicht zu unterscheiden ist schwierig und braucht neben kundiger Personen auch Erfahrungen, Mitgefühl und die Fähigkeit zur Unterscheidung.