Das Besondere der Trauerrede

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Was ist eine Trauerrede?

Eine Trauerrede ist eine Ansprache bei einer Trauerfeier, Grablegung oder ähnlichem Anlass, in der eine Person, ihr Leben, ihr Sein und Schaffen gewürdigt, an sie erinnert und es plastisch gemacht wird, was und wie derjenige war und wie er in der Zukunft gesehen werden möchte. Trauerreden sind in ihrem Inhalt, ihrer Vortragstragsweise und Form sehr verschieden, da sie den individuellen Charakter der Situation und der Stimmung wieder spiegeln. So gibt es kein Gesetz was darüber bestimmt wie und was gesagt werden darf und muss. Darüber bestimmen die Hinterbliebenen oder zu Lebzeiten der Verstorbene. Die Rede wird von den Angehörigen, von dem bestellten Redner oder wurde von dem Verstorbenen noch zu Lebzeiten verfasst und kann von einem oder von vielen Redner vom Blatt oder frei vorgetragen werden.

Wer hält eine Trauerrede?

Jeder der sich dazu imstande fühlt oder der dazu bestellt wurde. Professionelle Trauerredner sind sicher die erste Wahl, wenn darum geht eine bestimmte Erwartung in Form von Perfektion und Sicherheit zu erfüllen. Doch um sich persönlich angesprochen zu fühlen ist neben aller Professionalität Einfühlsamkeit, Empathie und Sensibilität von Nöten. Bei der Wahl des Trauerredners sollte bedacht werden ob er in das Gesamtkonzept der Trauerfeier hineinpasst oder es ergänzt. Das Gesagte sollte abnehmbar, glaubhaft und ernst genommen werden können, in den Zuhörern als eine Würdigung nachklingen und nicht mit der Person des Trauerredners im Widerspruch stehen. Um eine Trauerrede halten zu können nimmt der Trauerredner eine gewissen Abstand zur Situation, zum Toten und der Trauer ein, aus den er heraus den Inhalt sicher vortragen kann. Da Angehörigen eher selten distanziert zu dem Ganzen sein können, werden oft professionelle Trauerredner bestellt, doch ist dies nicht in jedem Fall zu treffend. Wer sicher sein möchte das die Trauerrede seinem Anspruch und Wünschen entsprechen soll, sollte die Trauerrede selbst noch zu Lebzeiten oder mit dem Trauerredner zusammen schreiben oder seinem Bauchgefühl bei der Auswahl des Trauerredners folgen. Garantieren kann Ihnen jedoch niemand das es so wird, wie Sie es sich vorstellen oder wünschen. Ein gewisses Risiko bleibt vorhanden. Die vielen positiven Erfahrungen mit Trauerreden und Trauerrednern sprechen für sich.

Weshalb ist eine Trauerrede ratsam?

Das Leben des Einzelnen wird in Worten stellvertretend für das Leben aller gewürdigt. Allgemein haben Angehörige diese Form der Würdigung oft dazu benutzt dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen oder die Trauerfeier durch die besondere Würdigung des Verstorbenen aufzuwerten oder zu etwas Unvergesslichem zu machen. Im Besonderen ist es eine Gelegenheit im Kreise der Trauergemeinde persönlich Abschied zu nehmen. Durch den Abriss des Lebens des Verstorbenen, seines Charakters, sowie der Einzelheiten seiner Geschichte in der Trauerrede werden Gefühle, Erinnerungen und Gedanken geweckt. Dadurch ist es möglich noch mal für einen kurzen Moment in Beziehung mit dem Menschen zu sein, den man später verabschieden wird. Dies ist eine Gelegenheit die Beziehung noch mal zu bedenken, zu erleben, darüber zu weinen, zu reuen oder zu genießen und besten Falls die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben als ein Geschenk zu würdigen.

Die Trauerrede bietet die Gelegenheit etwas auszusprechen, an etwas zu erinnern, was einem auf der Seele liegt, was dringend gesagt oder nicht vergessen werden soll. Ihre Berechtigung liegt dort wo Menschen einen angemessenen Ausdruck für ihre Trauerbewältigung suchen und den Moment, sich, als auch dem Leben, dem Tod und dem Toten einen gewichtigen Stellenwert geben wollen. Sie ist eine Form Liebe, Dankbarkeit und Rührung nach draußen dringen zu lassen, als ein Zeugnis der Wertschätzung des Gemeinsamen und der Gemeinsamkeit. Das Wort des Trauerredners ist stellvertretend für das was von den Anwesenden im Andenken an die Person ausgesprochen werden soll und die Stimme all derer die sie erheben wollen, um Adieu sagen. Auch deswegen ist es ratsam auf die Trauerrede nicht zu verzichten, sondern sie als gewichtigen Bestandteil einer Trauerzeremonie einzuladen.

Was ist die Wirkung einer guten Trauerrede?

Die Wirkung einer guten Trauerrede ist die, das man die Einzelheiten bald vergisst und die Botschaft des Gesagten nach schwingt und die kommende Zeit stärkend säumt. So viele Zuhörer wie möglich sollten sich im positiven Sinne angesprochen und gemeint fühlen. Trost, Zuversicht und Kraft entstehen aus Wertschätzung, Achtsamkeit und Würdigung und diese zeichnen eine gute Rede aus.

Ersetzt die Trauerrede oder Trauerfeier die Trauerbewältigung?

Nein. Meist sind diese Anlässe der Beginn der Auseinandersetzung mit Tod, Sterben, Verlust und Endgültigkeit und sind als Einstieg in diese Thematiken bedeutsam oder hilfreich. Trauerfeiern und Trauerreden sind gesellschaftliche Anlässe und bieten für die persönliche Trauerbewältigung wenig Raum, da diese durch die Umstände, den Ablauf und die Anwesenden gestört werden können. Die persönliche Auseinandersetzung findet meist weit entfernt vom sozialen Raum in einer intimen Atmosphäre und ungestörten Verhältnissen statt. Trauerbewältigung ist ein Prozess der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und in sicheren und hilfreichen Beziehungen gedeiht.

Wie entsteht ein Trauerrede?

Die Trauerrede ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses und sucht den Bedürfnissen und Wünschen der Angehörigen oder des Verstorbenen zu entsprechen. In den Vorgesprächen werden die Einzelheiten, Besonderheiten, Daten usw. gesichtet die in der Trauerrede von Bedeutung sein sollen. Im Besonderen werden Dinge hervorgehoben, die von den Angehörigen für besonders und wertvoll eingeschätzt werden. Danach versucht der Trauerredner die erhaltenen Informationen zu einem sinnvollen Ganzen zu ordnen und wird dabei chronologisch oder emotional vorgehen. Viele Feinheiten müssen bedacht sein, das erfordert nicht nur vom Trauerredner viel Aufmerksamkeit und Genauigkeit, sondern auch von den Angehörigen Klarheit darüber was  gesagt werden soll. Das Endprodukt wird durch ein Abgleichen des Entwurfes des Trauerredners und der Ansprüche der Trauernden erlangt. Da die Vorstellungen der Menschen auch hier immens auseinandergehen, müssen jene keine Überforderung befürchten, die sich nur ein paar nette Worte wünschen oder andere ihrem intellektuellen Niveau untreu werden müssten. Das die Trauerrede ein zufriedenstellendes Werk wird, hängt von der Fähigkeit des Trauerredners ab, sich auf die unterschiedlichsten Trauersituationen einzustellen und seinem Vermögen zwischen den Zeilen zu lesen. Am Ende wird es entweder vom Trauerredner oder von einem Beauftragten vom Blatt oder frei gehalten.

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Gibt es Anlässe die eine Trauerrede besonders nötig machen?

Ja, bei Selbstmord, bei Engelstod, Unfall, Verbrechen oder plötzlichen Eintreten des Todes ist es wichtig eine Stimme für das Unaussprechliche zu finden. Da der Verstand versucht das Ganze soweit er es kann zu verdrängen. Weil er keine Möglichkeit der Verarbeitung oder des Trosts finden kann, besteht die Gefahr dass das Schreckliche in einer Depression oder einem Trauma konserviert oder eingefroren wird. Dadurch könnte die nötige Trauerbewältigung auf unbestimmte Zeit hinausgezögert oder für immer vereitelt werden. Unausgesprochen und unbehandelt beherrscht das Thema das Unterbewusstsein und lässt das Leben um diese Situation herum kreisen. Da diese Tode immer mit den Themen Schuld, Versagen und Vorwurf im Zusammenhang stehen und die Gefahr besteht sie als Anlässe für Strafe, Qual und Elend zu missbrauchen, ist es ratsam den Umstand in einer Trauerfeier mit der Trauergemeinde öffentlich zu begehen. Und damit dem Vergessen, Verdrängen und für unwirklich Erklären vorzubeugen und davor die Betroffenen zu bewahren, das die Erfahrung im Unterbewusstsein Einzug hält und sich dort zu einer destruktiven Vorstellung verklärt oder verdichtet.

Die Angehörigen und Freunde werden sich mit der Tatsache und den Konsequenzen überlebt zu haben konfrontiert sehen und werden Mittel und Gelegenheiten brauchen, diese schwierige Situation nicht als Omen für kommendes Elend hinnehmen zu müssen. Die Trauerrede ersetzt hier ganz besonders nicht die Trauerbewältigung und vielleicht sogar Therapie, um diesen Schicksalsschlag zu bewältigen. Doch ist sie ein wirksames Mittel für ein kollektives Erlebnis in dem der schreckliche Umstand gemeinschaftlich erlebt, gewürdigt, begangen von vielen getragen und bestenfalls für Beistand und Solidarität genutzt wird. In diesem Ausnahmezustand braucht es kluge und stärkende Worte vom Trauerredner und eine Stimme, die dem ganzen Halt gibt. Klärende Sachlichkeit eingerahmt von herzlichem Mitgefühl und wärmenden Verständnis ist die rechte Art mit dramatischen Todesfälle umzugehen, um sich vor Vorwürfen, Rachegedanken, Autoaggression und einer langen Elendszeit zu wappnen.

Was gehört nicht in eine Trauerrede hinein?

1. Der Tod an sich trägt in sich schon genügend Konfliktstoff, so das der Konfliktstoff, der unnötig die dramatische Situation aufheizt und unkontrollierbar werden lässt die Trauerrede nicht bestimmen sollte. Schuldzuweisungen, Vorwürfe und Erpressung tragen auch nicht zu einer Würdigung des Momentes bei, das heißt jedoch nicht das die Verklärung der Wahrheit die Würdigung fördert. Intime Details, Andeutungen und Anspielungen der Schwächen oder Ausschweifungen des Verstorbenen sollte auch nicht die Trauerrede bestimmen, denn die Trauerrede ist keine Urteilsverkündung oder Anklage.

2. Auch sollte der missionarische Ansatz einer einzelnen Person oder des Trauerredners von den Angehörigen gewollt und ihnen auch nicht im guten Sinne aufgezwungen werden. Auf Dinge, Themen oder Einzelheiten die der Würdigung des Toten, des Lebens und der Angehörigen entgegenstehen sollte genauso verzichtet werden, wie dem Versuch die Wahrheit so weit zu verklären, das sie niemand mehr ernst nehmen kann.

3. Auch sollte die Sprache das geistige Niveau der Angehörigen weder überfordern noch unterfordern.

4. Der Trauerredner sollte auch nicht die Gelegenheit für seine Absichten und Vorhaben missbrauchen, wie die Würdigung der eigenen Person oder der seiner Gönner, zur Werbung oder das er sich, seine Erfolge, Einstellungen, Glaubensvorstellungen und seine Leistungen besonders hervorhebt.

5. Politische oder ideologische Inhalte sollten dem Anspruch der Angehörigen entsprechend in die Trauerrede einfließen. Einzelheiten über das Vermögen, über die Schuldensumme, dem Erbe oder den Erben haben auch wenig in einer Trauerrede zu suchen.

Was sollte in einer Trauerrede nicht fehlen?

  1. Neben dem Namen, dem Alter, dem Ort der Geburt und dem des Lebens und dem Zeitpunkt und der Art des Ablebens können eine Vielzahl von Informationen über den Verstorbenen in die Trauerrede einfließen, die die Trauerrede mit dem Verstorbenen in Zusammenhang bringen und einen Einblick in sein / ihr Leben gewähren lassen.
  2. Informationen über die Todesursache, die Umstände die zum Tode führten oder konkrete Hinweise auf die Umstände in denen das Ableben geschah sollten einfühlsam und vorsichtig als Sachverhalt vorgetragen werden.
  3. Angehörige, Eltern, Kinder, Geschwister und Verwandte oder Förderer, nahe Freude, Kollegen sollten gemäß ihrer Bedeutung erwähnt werden.
  4. Manchmal sind die berufliche Entwicklung, die persönlichen Vorlieben oder der persönliche Werdegang und die dazu stammenden Stationen Dinge die Erinnerungen wecken oder Bezüge herstellen.
  5. Auf persönliche Projekte, Hobbys und Anschauungen kann auch eingegangen werden, um die Persönlichkeit im Geiste der Angehörigen noch einmal zum Leben zu erwecken. Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen beleben die Trauerrede.
  6. Auch kann auf die geistige Heimat des Verstorbenen eingegangen werden, in dem auf Kunst, Philosophie, Wissenschaft oder Religion verwiesen wird, die mit ihm/ihr im Zusammenhang stehen oder mit denen er/sie sich beschäftigt hatte.
  7. Leistungen, Würdigungen und Auszeichnungen heben das Mühen und Streben des Verstorbenen hervor. Aussprüche, Kommentare oder Eigentümlichkeiten, die den Charakter des Verstorbenen plastisch werden lassen, sind passende Mittel für eine lebendige Erinnerung.
  8. Erwähnung sollte auch die Leistungen und Anstrengungen der Angehörigen, Freunde, Bekannten oder Kollegen finden, die den Verstorbenen im Leben, in Krisen oder auf seinem letzten Gang begleitet, ihm beigestanden oder ihn unterstützt haben. Wichtig ist ihnen an dieser Stelle zu danken oder sie für das was sie geleistet haben wertzuschätzen.
  9. Vereinsarbeit oder andere Aktivitäten außerhalb des Familienlebens, wie Ehrenämter oder Engagement können Erwähnung finden.
  10. Trost, Zuspruch, Freundlichkeit, Mitgefühl, Taktgefühl, Warmherzigkeit, Weisheit, Empathie, Menschlichkeit, Größe, Achtsamkeit und Wertschätzung dürfen nicht fehlen, um Zuversicht, Hoffnung, Mut und Kraft in den Zuhörern zu fördern. Informationen oder Dinge die den Verstorbenen, seine Angehörigen, das Leben, die Erde und Gott würdigen und achten, haben die Potenz einen progressiven Einfluss auf das Geschehen im Hier und Jetzt als auch auf das spätere zu nehmen.